Kategorien
Nähen fürs Ballett

Wenn der Wickelrock nervt…

Ich habe die Nase voll von den Wickelröcken, die man als Erwachsene*r im Ballettladen bekommt. Für Kinder gibt es wunderbare Röcke mit dehnbarem Bund, in die man einfach reinschlüpfen kann – für Erwachsene jedoch nicht. Jedes Mal muss man die Wickelröcke binden, dann rutscht ein Teil hoch und es blitzt Trikot darunter hervor oder man bindet den Rock so fest, dass man nicht atmen kann, weil man nicht will, dass er verrutscht.

Wenn du darauf auch keinen Bock hast, hab ich hier eine simple Anleitung für dich!

Juliette vom Erwachsenenballettblog „BalletScoop“ (siehe Bild links) hat eine wunderbare Lösung dafür gefunden: Eine super einfachen maßgeschneiderten Ballettrock wie ihn die Schüler*innen an der School of American Ballet tragen.

Juliette hat zusammen mit „The Adult Beginner“ eine super einfache Anleitung veröffentlicht, wie ihr euch einen solchen Rock – der sich nach der Schule SAB-Rock nennt – machen könnt. Er hat nicht nur den Vorteil, dass man durch den dehnbaren Stoff einfach in ihn reinschlüpfen kann und er sich an die Hüften schmiegt, nein, seine eiförmige Silhouette sorgt dafür, dass die Beine beim Tanzen länger aussehen – und wer will das nicht? Außerdem: Nähen ist optional!

SAB-Rock von RoyallDancewear auf Etsy – nein, es ist nicht gesponsert

Also los geht’s:

Schritt 1: Der richtige Stoff

Zunächst brauchst du einen Stoff mit einer Mindestlänge von 91,44 cm (1 Yard). Natürlich brauchst du für dieses Projekt einen dehnbaren Stoff, es empfiehlt sich ein Lycra. Juliette hat einen „four-way stretch“ benutzt, also einen Stoff, der sich sowohl in der Länge als auch in der Breite gleich viel dehnt. Der ist aber in Deutschland tendenziell schwer zu finden, deshalb hab ich einen bi-elastischen Lycra benutzt. Mein Stück war 2 x 1,50m groß und ich habe noch einiges übrig. Denke aber beim bi-elastischen Lycra daran, dass du die dehnbarere Richtung verwendest, damit du den Rock später über die Hüften ziehen kannst. Wenn du einen „four-way stretch“ findest, umso besser. Dann entfällt dieser Schritt.

Schritt 2: Maß nehmen

Der Rock sitzt unterhalb der Taille, ca. dort, wo deine Hüftknochen sind. Miss mit einem Maßband an dieser Stelle einmal um deinen Körper herum. Mein Maß war 96 Zentimeter. Wenn du ihn lieber höher tragen möchtest, miss entsprechend weiter oben.

Schritt 3: Rechnen leicht gemacht

Und jetzt kommt das schwierigste: Wir rechnen anhand der Dehnbarkeit des Stoffes aus, welche Maße wir auf den Stoff zeichnen müssen. Von deinem in Schritt 2 ausgemessenen Hüftmaß H ziehst du 25,4 Zentimeter ab. Damit hast du deine reduzierte Hüftweite H(r).

Anhand derer berechnen wir den Radius der Öffnung im Rock. Das funktioniert mit dieser Formel

In meinem Fall also 70,6 Zentimeter durch 6,28. Gerundet ergibt das einen Radius von 11 Zentimetern.
Das ist der Radius für die Hüftweite. Die anderen Maße um die Eiform zu bekommen sind 30,5 Zentimeter für den längeren Teil vorne, 25,4 Zentimeter für die kürzeren Seitenteile und 35,6 Zentimeter für den längsten Teil hinten hinzuzufügen.
Natürlich kannst du die Teile auch kürzer oder länger machen, aber behalte dabei die Verhältnisse bei.
Hier habe ich dir mal – mega professionell – aufgezeichnet, wie das dann aussehen würde:

Schritt 4: Auslegen und schneiden

Jetzt kannst du deinen Stoff auslegen und die Eiform ausmessen und aufzeichnen. Ganz gut eignen sich dafür selbstlöschende Marker, da man sie quasi wie einen Stift über den Stoff ziehen kann. Mit einer spitzen Schneiderkreide geht es natürlich auch. Ich würde dir empfehlen, den Stoff ein wenig mit Kaffeetassen oder sonstigen schweren Dingen zu beschweren, da er sehr dehnbar ist und sich entsprechend schnell verzieht. Dann musst du die Form eigentlich nur noch ausschneiden. Dafür kannst du eine Schneiderschere benutzen, ich habe einen Rollschneider und eine Schneidematte verwendet.

Schritt 5: Auffalten

Jetzt musst du den ausgeschnittenen Rock einfach nur noch auffalten und fertig isses!


Ab hier wird’s optional

Schritt 6: Bund schneiden und annähen

Wer jetzt noch einen Bund haben will, der bedient sich dieser Rechnung

Der Stoff dehnt sich, weil er doppelt gelegt wird, nicht ganz so gut, deswegen musst du eine Hüftweite für den Bund H(b) errechnen, indem du einfach noch 15 Zentimeter hinzufügst (das ist inklusive einer Nahtzugabe von 1,25 oben und unten). Wenn du deinen Stoffstreifen geschnitten hast, dann pinne die Enden bei ca. 1,25 cm zusammen und nähe dort mit einem kleinen Geradstich drüber. Daraus entsteht eine Art Loop. Falte den Bund in die Hälfte und pinne ihn an der 1,25 cm-Marke mit dem Rock zusammen. Denke daran, dass die Naht vom Loop hinten in der Mitte sitzen sollte. Benutze an deiner normalen Maschine einen Zickzackstich, mit einer Overlock ist es natürlich noch einfacher. Manche Haushaltsnähmaschinen haben auch Fake-Overlock-Stiche, die eignen sich auch gut, schau einfach mal nach, ob du so einen findest. An meiner Nähmaschine sehen die so aus:

Und dann ist er fertig. Glückwunsch, du hast es geschafft!