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Vermeide diesen Fehler, wenn du als Erwachsene*r Ballett anfangen willst!

Bild von Robin Higgins auf Pixabay

Hier möchte ich dich vor dem einen Fehler warnen, den ich als Ballettanfängerin begangen habe – sag es bitte weiter an andere angehende Balletttänzer*innen weiter!

Wie du vielleicht weißt, wenn du meinen Artikel „Über die Angst“ gelesen hast, bin ich gerade erst wieder ins Balletttraining eingestiegen, nachdem ich mir ein Schienbeinkantensyndrom zugezogen hatte und fast ein halbes Jahr nicht tanzen konnte.

Vor meiner Verletzung habe ich mich nach einer zusätzlichen Ballettstunde die Woche umgesehen und da mein bisheriges Studio dies nicht angeboten hat, habe ich eine Probestunde in einem großen Studio in meiner Stadt gemacht. Daraufhin habe ich eine Zehnerkarte gekauft – aber nach nur zwei eingelösten Ballettstunden war meine Verletzung so schlimm, dass ich nicht mehr tanzen konnte.

Und dann war Corona.

Also hatte ich noch 8 Ballettstunden übrig, die ich schon im Voraus bezahlt hatte. Jetzt, wo die Studios wieder geöffnet sind, habe ich angefangen, diese aufzubrauchen, und plötzlich:

ÜBERRASCHUNG!!!

Nach fast fünf Jahren Ballettunterricht habe ich festgestellt, dass ich kein Ballett kann!

Nein, ganz so dramatisch war es dann doch nicht. Aber ich habe gemerkt, wie viel Technik mir fehlt, als ich bei dieser sehr motivierten jungen Ballettlehrerin landete, die sehr sehr sehr viel zur Technik erklärte und entsprechend auch korrigierte.

Hüften? Nicht in einer Linie!

Schultern? Ebenso!

Tendus? Falsch gestreckt!

Steißbein? Hochgezogen!

Abstand zur Stange? Viel zu nah!

Plötzlich wurden bei mir Dinge korrigiert, die noch nie zuvor angemerkt wurden. Die Korrektur mit dem größten Effekt war die folgende: Beim demi-plié sollte man sich nicht einfach in Richtung des Bodens gleiten lassen. Denn es dient zum Ausbilden und Verbessern des Auswärts! Stattdessen soll man die Muskeln in den Oberschenkeln nutzen, um die Hüfte nach außen zu drehen. Mind blown!

Und jetzt zum Tipp:

Gehe nicht einfach in den Kurs, der am günstigsten oder am nächsten an deiner Wohnung oder deinem Haus ist. Ich habe den Fehler gemacht, einfach den Kurs an der Uni zu machen, der zum Teil so überfüllt war, dass man nicht mal mehr einen Platz an der Stange bekam. Außerdem war er anfänglich kostenlos und später mit nicht einmal 30 Euro pro Semester sehr günstig.

Wie ich in den letzten Wochen festgestellt habe, habe ich dadurch leider auch extrem wenig gelernt. Versteh‘ mich nicht falsch: Es hat Spaß gemacht und alles. Aber die Technik fehlt mir jetzt – ich tanze seit fünf Jahren Ballett, tanze aber, als wäre ich erst ein halbes Jahr dabei.

Und das frustriert mich. Das Ballett ist aktuell eines meiner größten Hobbys und ich will lernen. Aber nicht jedes Studio bietet die gleiche Unterrichtsqualität. Leider kann man an den Kosten nicht wirklich ablesen, wie gut die Lehrer*innen unterrichten. In dem Studio außerhalb der Uni, in dem ich seit Anfang 2019 tanze, zahle ich mehr für die Ballettstunde als in dem Studio, in dem ich 2020 angefangen habe. Aber die Qualität des Unterrichts ist im günstigeren Studio deutlich besser.

Und genau deshalb rate ich dir als Ballettanfänger*in oder Wiedereinsteiger*in: Gehe in so viele Studios wie möglich und schaue dir alles genau an, hier eine Checkliste:

Entscheide dich erst danach, um meinen Fehler zu vermeiden. Schreib mir gerne in die Kommentare, ob du diesen Artikel hilfreich fandest oder ob du das anders siehst.

Bild von Fabio Marciano auf Pixabay

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5 Dinge, die ich gern gewusst hätte, bevor ich mit dem Ballett beginne

1 Den mean girl-Scherben-in Spitzenschuhen-Typ gibt es im Erwachsenenballett nicht

2 Nur weil ich keine Karriere mehr draus machen kann/ will, heißt es nicht, dass es nicht wert ist, Ballett zu beginnen

3 Wenn ich kein Trikot und Strumpfhosen tragen will, muss ich das auch nicht

4 Niemand wird mich auslachen, weil ich keinen Spagat und meinen Fuß nicht neben dem Kopf halten kann – und ich muss das auch nicht können, damit mein Tanzen schön aussieht

5 Das Ballett beschäftigt sowohl Körper als auch Geist und ist daher eine hervorragende Entspannungsübung

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Hilfe?! Was soll ich zum Ballett anziehen?

Verzage nicht!

Ich mache dir hier drei Vorschläge mit unterschiedlichen Hosenlängen, falls du erst einmal in normalen Sportklamotten tanzen willst, darunter findest du meine Vorschläge, falls du dir ein Trikot kaufen willst und welche Arten von Schläppchen sich es gibt.

Das ist eine kurze Variante mit hellen Schläppchen. Du solltest auf jeden Fall darauf achten, dass das Sportshirt gut anliegt und die kurze Hose viel Beweglichkeit in der Hüfte ermöglicht. Schließlich braucht ihr die fürs Auswärts

Hier eine längere Variante für diejenigen, die sich in ganz kurzen Hosen nicht wohl fühlen, diese (eigentliche) Laufhose bringt Farbe ins Ballett und verträgt sich super mit dem schwarzen Tanktop und den schwarzen Schläppchen. Hier unbedingt drauf achten, dass die Hose sehr dehnbar und das Oberteil eher eng ist.

Für die Freund*innen der Nacht hier noch ein komplett schwarzes Outfit mit einer Hose, die komplett die Beine verdeckt. Achte auch hier wieder darauf, dass die Hose stark dehnbar ist und genug Bewegungsfreiheit gibt.

Wie ich aussehe, wenn ich ins Ballett gehe:

Ich möchte dich kurz vorwarnen:
Wer Tanzkleidung im Tanzgeschäft kauft, der muss sich darauf einstellen, mehr Geld in die Hand zu nehmen. Das mag erst einmal wie ein Nachteil klingen, aber ich habe heute noch meinen ersten Ballettrock und den ersten Anzug, obwohl ich ihn 2015 gekauft und regelmäßig getragen habe. Es ist also nachhaltiger gedacht, ein Trikot im Tanzladen für 30 bis 60 Euro zu kaufen, statt eines für 10 Euro auf Amazon, das nach der zweiten Ballettstunde auseinanderfällt. Bei den üblichen Plattformen wie Kleiderkreisel, eBayKleinanzeigen und eBay findest du auch gebrauchte Anzüge. Kleiner Tipp: Ein Balletttrikot in M passt einer Person, die im normalen Leben S trägt. Ballettkleidung ist immer eine Größe kleiner als draufsteht.

!!! Wenn du – wie ich auch – schnell schwitzt, dann empfehle ich dir Trikots mit Mesh wie im zweiten Outfit. Ein offener Rücken und kurze Ärmel sorgen für eine gute Durchlüftung. Wenn dir am Anfang kalt ist, kannst du ja einen Bolero oder eine Wickeljacke drüberziehen und wenn dir zu warm wird, ziehst du sie aus.

Schläppchen:

Das Obermaterial der Schläppchen ist meist Leder oder Leinen, es gibt geteilte oder durchgehende Sohlen. Ich habe nur Schläppchen mit geteilter Sohle, da sie den Fuß schön gestreckt aussehen lassen.
Meist sind die Bänder, die den Schuh am Fuß halten sollen, schon vom Hersteller angenäht, du brauchst also keine Angst haben, wenn du noch nie genäht hast. Wenn du sie nicht angenäht haben willst, musst du dir eine Marke suchen, die die Bänder nicht annäht oder sie ablösen. Dann kannst du sie zum Beispiel auch einfach nur so annähen, dass sie einmal um den Knöchel gehen.
Die Ballettschläppchen können zwischen 10 und 30 Euro kosten. Die Schläppchen mit Leder halten normalerweise länger als die mit Leinen, weil bei den Leinenschuhen die Zehen schneller die obere Schicht aufreißen. Dafür sehen sie beim Strecken der Zehen oft zerknautscht aus.

!!!Turnschläppchen sind zwar oft günstiger, aber empfehlen würde ich sie nicht, da die Gummisohle sehr viel Halt gibt und damit das Schleifen der Zehen über den Boden, das fürs Ballett wirklich wichtig ist, behindert.

Leder

Leinen

Und nun zur Königsklasse: Spitzenschuhe

Und hier sind sie: Die halsbrecherischen, schweißtreibenden und wunderschönen Spitzenschuhe.
Auf diesem Bild siehst du meine (ersten und aktuellen) Spitzenschuhe mit Zubehör. Falls es dich interessiert, das ist das Modell „Hannah“ der Firma Bloch.

Die langen Bänder, die zum rechten Bildrand hinaushängen, sind die Satinbänder, die dieses wunderschöne Wickelmuster um den Knöchel bzw. Unterschenkel ergeben.

Die leicht durchsichtig wirkenden Bänder am Fersenteil, die nach links zeigen, sind Elastikbänder, die zusätzliche Stabilität verleihen.

Ganz links im Bild siehst du meine Zehenschoner, in diesem Fall aus Silikon. Die gibt es auch aus anderen Materialien.

Wenn du mehr über Spitzenschuhe erfahren willst, dann schau dir doch meinen Artikel Alles zum Thema Spitzenschuhe an.

Normalerweise trägt man die natürlich nicht zu einer ersten Ballettstunde, es dauert ein wenig, bis man die Technik und die Stärke der Muskulatur erreicht hat, damit man sich nicht beim Tanzen auf Spitze verletzt.

Wenn du also auf Spitze gehen willst, frag zunächst deine*n Ballettlehrer*in, er/sie/dey kann das meist ganz gut feststellen.

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Meine 1. Stunde im Erwachsenenballett

Hallihallo und willkommen auf der Seite, die dir hoffentlich einen Eindruck davon vermittelt, was in deiner ersten Stunde im Erwachsenenballett auf dich zukommt.

Meine erste Stunde im Anfängerballett war im Oktober 2015 im Allgemeinen Hochschulsport meiner Universität.
Das erste, das mir auffiel, war, dass der Kurs vollgestopft war mit Menschen, vor allen Dingen weiblichen. Zuvor hatte ich gedacht, dass es ganz entspannt werden würde, weil sich in meinem Kopf nur ganz wenige für diese alte Kunst/ diesen alten Sport interessieren. Ich lag falsch.
Es waren so viele, dass wir in den folgenden Semestern zum Teil die Stangenübungen in der Mitte gemacht haben, weil an den Stangen nicht genug Platz für alle war.
Außerdem hatte ich die Befürchtung, dass alle schon Ballett können und nur wieder neu anfangen und ich mich als absoluter Newbie einfach nur blamiere. Ebenfalls falsch.

Vorort gab es eine Umkleide sowie Toiletten, der Saal war rechteckig und dabei deutlich länger als breit. Links war eine lange Metallstange angebracht, auf der rechten Seite eine Holzstange. Ganz vorne links gab es eine Stereoanlage, die in jeder Ecke des Raumes einen entsprechenden Lautsprecher hatte. Links und rechts von der Tür durften wir unsere Sachen abstellen.

Wie in den meisten Studios startete auch hier der Unterricht an der Stange. Und wider Erwarten wurde alles von klein auf erklärt: Was ist ein Plié? Wie mache ich es richtig? Was ist ein Tendu? usw. Das heißt, ich konnte mich sehr schnell an den Klang der Begriffe gewöhnen und dann an der Stange auch mehrere der Schritte zusammenfügen. Zum Beispiel macht man oft Kombinationen aus Tendus in verschiedene Richtungen und dazwischen Pliés.
Dieser Teil hat ca. 45 der 90 Minuten Unterricht eingenommen.

Zwischen den Übungen an der Stange und denen in der Mitte ließ die Ballettlehrerin ca. 5 Minuten lang Musik laufen und wir durften Arme, Beine, Rücken usw. selbstständig dehnen.

Danach ging es in die Mitte, wo wir erst mal Kombinationen, die denen an der Stange ähnlich waren, ohne Hilfe gemacht haben. Die Lehrerin stand (und steht im Fortgeschrittenenkurs immernoch) ganz vorne und tanzte die Schritte mit. Wenn man also etwas nicht ganz verstanden oder vergessen hatte, musste man nicht wild mit den Armen und Beinen herumfuchteln. Am Anfang haben wir die Grundlagen von Posé-Drehungen, Grand Jetés und Tombé-Pas de bourée-Kombinationen gelernt. Alles wurde langsam erklärt und sehr oft wiederholt.
Am Ende folgte noch eine Entspannungsübung, die vornehmlich aus Port de bras bestand.

Was die Kleidung betrifft, habe ich mir die ersten zwei Monate mit Sport-BH, Sportshirt und Sporthose beholfen. Als Schuhwerk hatte ich meine Turnschläppchen dabei, was nicht so gut funktioniert hat, weil die Sohle zu viel Halt gibt, um den Fuß richtig zu schleifen, wie es im Ballett üblich ist.
Ich habe mir dann, weil es für mich ein Stück weit dazugehört, ein Trikot, Strumpfhosen und einen Rock aus dünnem Stoff besorgt, dazu Ballettschläppchen aus Leder mit einer geteilten Sohle. Damit ließen sich die Füße auch besser schleifen.
Wer sich im Trikot nicht wohlfühlt, der muss es nicht tragen. Kein Studio verlangt das bei erwachsenen Tänzern. Außerdem sollst du dich beim Tanzen wohlfühlen – und das geht nur, wenn du für dich angenehme Kleidung trägst. Bedenke auch, dass du die meiste Zeit in einen Spiegel schaust, d.h. wenn dir dein Bild im Spiegel nicht gefällt, wirst du sehr schnell keinen Spaß mehr am Ballettunterricht haben.

Im März 2019 habe ich mich dazu entschieden, eine zweite Stunde die Woche zu machen. Diese mache ich in einem privaten Studio außerhalb der Universität. Dort habe ich gleich eine Probestunde im Fortgeschrittenenkurs gemacht. Dafür gilt jedoch das gleiche: Trikots sind kein Muss, man verbringt die meiste Zeit vor einem Spiegel, alles wird erklärt und korrigiert. In diesem Studio werden die Aufwärmübungen nicht an der Stange gemacht sondern im Raum, was sehr schnellen Muskelaufbau befördert, aber entsprechend auch die ersten paar Male einen Muskelkater des Todes heraufbeschwört.
Dort war die älteste Teilnehmerin 60 Jahre alt und einige tanzen bis heute in langen Sporthosen und Shirt. So lange es eng genug anliegt, um die Körperhaltung korrigieren zu können, hat auch diese Ballettlehrerin nichts dagegen. In diesem Studio kann man auch als Erwachsener auf Spitze gehen und das nahm meist die letzten 15 – 20 der 60 Minuten Unterricht ein. Hier findet normalerweise kein Cooldown statt, sondern es bleibt nur noch einmal Zeit zum freien Dehnen.

Das sind zwei sehr typische Abläufe von Ballettunterricht für Erwachsene. Die Herangehensweise ist etwas ernster und weniger spielerisch als bei den Kursen für Kinder, aber das finde ich persönlich auch angemessen.
Spaß hat es mir trotzdem von Anfang an gemacht und heute ist das Ballett mein Moodbooster am Ende eines anstrengenden Tages.

Wenn du wissen willst, warum es sich lohnt, Ballett anzufangen, dann lies dir doch meinen Beitrag: „5 Gründe, warum du als Erwachsene*r Ballett anfangen solltest“ durch.

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5 Gründe, warum du als Erwachsene*r Ballett anfangen solltest…

Du bist dir noch unsicher, ob du Ballett machen willst? Vielleicht helfen dir diese 5 Gründe, warum du als Erwachsene*r Ballett machen solltest, bei deiner Entscheidung.

1. Du gewinnst eine neue Art, deinen eigenen Körper wahrzunehmen

Du denkst wahrscheinlich, dass du deinen Körper ganz gut kennst, oder? Dachte ich auch. Im Ballett habe ich gemerkt, dass ich ihn eigentlich nicht so gut kenne, wie ich dachte.

Dieses Grand Plié, das sich so gut angefühlt hat? Hintern war rausgestreckt.
Port de Bras? Schultern hochgezogen.
Relevé? Gewicht nicht nach vorne und Bauchmuskeln nicht aktiviert.

Und da die meisten Ballettlehrer*innen großen Wert auf Körperhaltung legen – zurecht, denn mit falscher Körperhaltung funktionieren manche Übungen nicht oder werden zum Verletzungsrisiko – verändert sich deine ganze Haltung.
Auch die Wahrnehmung wird differenzierter. Ich konnte plötzlich wahrnehmen, ob meine rechte Hüfte parallel zur linken steht, ob mein Kiefer angespannt ist, ob meine Armbewegungen fließen und in welchen Regionen der Muskelkater genau vorkommt.

Du kannst also eine bessere Körperwahrnehmung vom Ballett bekommen, was es dir ermöglicht, Verletzungen und Unwohlsein schneller zu erkennen.

2. Du bekommst ein Fitnesstraining für Körper & Geist

Wir alle wollen fit bleiben, oder? Uns in unserem Körper wohlfühlen und nicht alle zwei Wochen wegen eines neuen Wehwehchens zum Arzt rennen müssen.
Und wenn du nicht gerade Bodybuilding-Champion oder Karate-Schwarzgürtel werden willst, dann kannst du es auch mit dem Ballett machen.

Ballett stärkt nicht nur die Muskulatur in Füßen und Beinen, sondern auch die Bauch- und Rückenmuskulatur.
Außerdem reagieren wir Menschen oft mit positiven Emotionen auf wohlklingende Musik, was es noch viel ansprechender machen kann, zu tanzen. Egal wie schlecht mein Tag war, nach dem Balletttraining ist meine Laune immer gehoben.

Und keine Angst: Selbst wenn du keine klassische Musik magst, ist das kein Problem. Inzwischen benutzen sehr viele Ballettlehrer die CDs vom britischen Musiker David Plumpton, der Pop-, Rock- und Musicalsongs für den Ballettunterricht arrangiert und einspielt.

Und fürs Gehirn hat das Ballett auch einige Aufgaben: Neue Kombinationen und Schrittfolgen zu lernen fordert deinen Geist und die Ausführung mit Richtungswechseln fördert zugleich deine Koordination. Auch das Gehör wird geschult, Takte zu hören und die Bewegungen an die Musik anzupassen.

3. Ballett kann dein Selbstbewusstsein boosten

Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber mein Selbstbewusstsein schwankt stark. Wenn mal was an der Uni schiefläuft, ich mich mit meinem Verlobten gestritten habe, meine Angststörung mich mal wieder gehemmt hat, dann bekommt mein Selbstbewusstsein einen kleinen Knacks.
Oft ist aber auch mein Blick auf meinen eigenen Körper die Ursache des angeknacksten Selbstbewusstseins. Die meisten Menschen kennen das, wenn man das Gefühl hat, zu einem Gymnastikball aufgebläht zu sein oder dass das Gesicht schon wieder pickelig ist oder die Speckröllchen einen im Spiegel unförmig aussehen lassen.

„Aber wenn ich mich dann beim Ballett im Spiegel sehe, wird das dann nicht noch verstärkt?“, fragst du dich wahrscheinlich.

Diese Befürchtung hatte ich auch, aber bei mir ist genau das Gegenteil eingetreten. Ich habe plötzlich im Spiegel die Person gesehen, die zwei Pirouetten kann, deren Port de Bras wunderbar fließen, deren Grand Jeté sie aussehen lässt, als würde sie von sanften Flügeln getragen.
Ich habe plötzlich das gesehen, was ich wirklich kann und nicht das, was ich mir einrede, zu sein oder zu können. Das erstickt natürlich nicht alle Selbstkritik im Keim, aber die Ballettstunden sind immer Stunden zum Luftholen und Selbstbewusstsein tanken.

4. Du kannst deinen Horizont erweitern

„Beim Ballett sind doch alle gleich… weiße Strumpfhose, schwarzes Trikot, weiße Schläppchen und Dutt…“

Du kannst dir nicht vorstellen, wie oft ich das schon gehört habe…

Bei den Kindern und Jugendlichen, die Ballett tanzen, mag es vielleicht genau so aussehen, aber bei den Erwachsenen ist das absoluter Blödsinn, z.B. sind allein in der Gruppe im externen Studio:

  • 1 Einkäuferin einer großen Automarke, jetzt pensioniert
  • 1 Bibliothekarin
  • 1 Fotografin
  • 1 Internistin
  • 4 Studentinnen (Germanistik, Innenarchitektur, Soziale Arbeit, Zahnmedizin)
  • 1 Schülerin
  • 1 Dame, die einen Turnbedarfsladen hat

Im Kurs an der Uni habe ich auch Psycholog*innen, Chemiker*innen, VWLer*innen, Wirtschaftswissenschaftler*innen und Theaterwissenschaftler*innen getroffen.

Du kannst also mit dem Ballett auch deinen Horizont erweitern, Menschen kennenlernen, die sich zwar auch fürs Ballett interessieren, aber den Rest ihrer Zeit mit ganz anderen Dingen zubringen.

Gerade für Menschen wie mich, die allgemein schüchtern sind, macht es das leichter, Freundschaften zu schließen – selbst wenn man nur auf Hin- und Rückweg zum Training darüber redet, wie man das Petit Allegro mal wieder versemmelt hat.

5. Du hast den Freiraum, dir selbst Ziele zu setzen

Im Gegensatz zu einem festen Kurrikulum, bei dem man innerhalb eines Jahres eine bestimmte Stufe erreichen muss, kannst du dir in den meisten Ballettkursen für Erwachsene eigene Ziele setzen und sie selbstständig erreichen, ohne den zeitlichen Druck – weder von deinem Gewissen noch von deiner*m Ballettlehrer*in.
Du willst diese Woche dein Auswärts verbessern? Mach doch. Bitte vielleicht deine*n Trainer*in, die Korrekturen darauf abzustimmen.
Du möchtest deine Körperhaltung konsequent verbessern? Achte auf deine Rippen, Schultern und Hüfte.

Niemand wird dir sagen, dass du in einem Jahr deinen Seitspagat haben musst.

Niemand wird dir sagen, dass dein Auswärts in zwei Monaten 180° sein muss.

Du hast die Freiheit, dir beim Sport selbst Ziele zu setzen und genau deshalb ist das Erwachsenenalter genau das richtige, um Ballett zu beginnen.

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Alles zum Thema Spitzenschuhe!

Da sind sie… the one…. the only…. Spitzenschuhe.

Für Ballettlaien sehen sie wie Folterwerkzeuge aus und wenn man ihnen erst erzählt, dass man mithilfe der Dinger auf den Zehen tanzen kann, spätestens dann… kriegst du komische oder geschockte Blicke.

Aber für viele von uns Tänzer*innen ist das Tanzen auf Spitze ein absoluter Traum…
Und ganz ehrlich, wenn du dieses Bild siehst…

wirst du da nicht ein bisschen neidisch?

Und als erwachsene Tänzer*in denkst du dir vielleicht:

  • Ist das überhaupt eine Option für mich?
  • Kann man als Erwachsene*r überhaupt auf Spitze gehen?
  • Bin ich dafür nicht zu alt?

Ja

Ja

Und nein.

Kurz zur Anatomie eines Spitzenschuhs:

1 Der sogenannte shank, deine beste Unterstützung beim Tanzen

2 Die box, darauf stehst du

3 Die Satinbänder, deine Extrasicherung

4 Das Elastikband, hält deinen Fuß am Schuh und deinen Schuh am Fuß

5 Das Toepad, dein lebenswichtiger Zehenschutz

Das hier sind meine besten Freunde: Die toepads!

Ich habe welche aus Silikon, die bieten etwas mehr Schutz als zum Beispiel die aus Schafswolle und Stoff. Da muss aber jeder für sich herausfinden, was für ihn oder sie passt. Manche sagen, mit den dickeren Toepads haben sie nicht genug Kontrolle über den Spitzenschuh, für mich klappt es gut.

Oben siehst du das Satinband (Sansha ist die Marke). Eine Packung davon reicht für beide Spitzenschuhe.

Unten ist das Elastikband, ich benutze invisible elastic (unsichtbares Elastikband), deswegen ist das ein Webmuster mit kleinen Luftlöchern. Man kann auch normales Gummiband verwenden.

Da diese Bänder normalerweise nicht vom Hersteller angenäht werden, habe ich mir ein Stitch Kit besorgt. Unten zeige ich dir, was genau drin ist:

Zunächst ist darin ein recht dickes Garn, dessen Farbe genau zum Rosa der Spitzenschuhe passt, damit man Nähte nicht sieht…

Und dann: Bitte nicht erschrecken!
Es sind auch noch zwei sehr dicke Nadeln dabei, die du aber auch brauchst, um durch den festen Stoff des Spitzenschuhs zu kommen.

Anekdote: Ich hab es erst mit normalen Nähnadeln versucht, mir allerdings drei Stück abgebrochen und dann ein solches Nähkit besorgt

Um das blutende Herz gleich mal vorwegzunehmen:

Ja, nach einer gewissen Zeit sehen die Spitzenschuhe so aus. An der Stelle der Box, an der der Shank in den Satin übergeht, beginnt der Satin, zu reißen. Das liegt daran, dass du immer darüber hochrollst.
Und na ja, dreckig wird das ganze natürlich auch.

Das sind also seit ca. einem halben Jahr regelmäßig betanzte Spitzenschuhe.

Kleine Zusatzinfos

Du hast vielleicht gesehen, dass ich auf der Innensohle „L“ und „R“ stehen habe. Da Spitzenschuhe generell keinen linken oder rechten Schuh haben, sich der Schuh aber beim Tanzen an den jeweiligen Fuß anpasst, macht es Sinn, die Seiten zu markieren, um immer den richtigen Schuh am richtigen Fuß zu haben.

Hier habe ich dir jetzt nur die absoluten Basics gezeigt, es gibt noch so viel mehr zum Thema. Verschiedene Typen Satinbänder, Toe spacer, Hersteller und Sohlen, verschiedene Hacks, um die Schuhe bequemer zu machen oder am Fuß schöner aussehen zu lassen.

Wenn du noch mehr darüber wissen willst, dann kann ich dir den YouTube-Kanal ThePointeShop empfehlen. Josephine, Spitzenschuhfitterin aus Kalifornien, macht regelmäßig Videos über Fittings und was beim Aussuchen des Spitzenschuhs wichtig ist.

Und zu guter Letzt…
so sieht es aus, wenn man auf den Dingern steht

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Zu … fürs Ballett?

Alt?

So etwas wie „zu alt fürs Ballett“ gibt es nicht…
Wenn du eine professionelle Karriere im Ballett anstrebst, gilt die Regel: Je früher, desto besser.
Viele der heutigen Primaballerinas beginnen schon mit ca. 3 oder 4 Jahren mit dem Ballett und entscheiden sich dann mit ca. 10 – 14 Jahren, ob sie in Vollzeit für den Tänzerberuf trainieren wollen.
Misty Copeland ist ein spezieller Fall, sie hat erst mit 13 mit dem Ballett angefangen und ist schon sehr kurz nach Beginn auf Spitze gegangen – allerdings war sie dann auch 10 Jahre lang nur im Corps de Ballet des American Ballet Theatre (ABT) bis sie 2015 zur Primaballerina befördert wurde.

Wenn du dich allerdings fürs Ballett als Hobby interessierst, gibt es keine Altersbegrenzung: Ob du 14, 34 oder 84 bist, ist grundsätzlich egal. Wenn du massive gesundheitliche Probleme in den Knien, Waden oder Sprunggelenken hast, dann würde ich es dir nicht unbedingt empfehlen, da genau diese Körperteile beim Ballett stark beansprucht werden.
Ansonsten – probier‘ es einfach.
+++

Dick?

Ganz oft liest man besonders in YouTube-Kommentaren unter Ballettvideos: Ich glaube, ich bin zu dick fürs Ballett; mit meinem Gewicht kann man kein Ballett tanzen… usw.

Fakt ist: Es hilft natürlich, wenn man mit dem Ballett anfängt und einigermaßen fit ist. Mit fit meine ich in diesem Fall, dass man 1-2 Mal die Woche Sport macht oder im Alltag zu Fuß geht, sodass man nicht gleich nach drei Treppenstufen außer Atem ist.

Aber auch diejenigen, die ihr Gewicht als zu viel empfinden, brauchen keine Angst davor zu haben, in eine Ballettstunde zu gehen. Klar, es gibt immer die paar sehr dünnen Mädels, bei denen das Trikot genau richtig sitzt und die meistens auch noch nervig gut sind.

Die meisten jedoch fallen nicht in diese Kategorie. Mit 1,66 Meter und 65 Kilo sehe ich nicht aus wie die klassische Ballerina, die üblicherweise mindestens 15 Kilo weniger wiegt. Aber trotzdem sieht mein Tanzen schön aus.
Wichtig ist vor allen Dingen, dass du in einem Erwachsenenballettkurs normalerweise das anziehen kannst, was du willst. Du musst dich also nicht in ein Trikot quetschen, wenn du dich darin dick oder unwohl fühlst.

Wer Ballett nicht beruflich machen will, muss sich auch keine Diät oder Fastenkur antun, (Über-) Gewicht kann manche Dinge schwieriger machen, ist aber kein Ausschlussgrund.
+++

Ungelenkig?

Du bist ungelenkig?
Ich kann dich beruhigen, selbst bald 5 Jahren kann ich mein Bein nicht bis zum Ohr heben. Die Tänzerin neben mir, dagegen, hat sich mit dem Bein zuletzt beim Grand Battement gegen die Nase getreten.
Manche von uns haben anatomisch mehr Glück, manche weniger. Wie hoch man sein Bein bekommt oder wie stark man den Rücken biegen kann, ist bei jedem Körper unterschiedlich und kann genetisch bedingt sein. Mein Rücken zum Beispiel biegt sich kaum, obwohl ich vor meiner Zeit im Ballett im Turnen war, dort dehnt man ihn auch regelmäßig.
Ich arbeite mich seit Jahren zu einem vollen Damenspagat und gerade letzte Woche hat sich der Abstand zum Boden wieder verkleinert.

Das ist jedoch keine Pflicht. In einem Ballettkurs für Erwachsene erwartet niemand, dass du den Spagat kannst und ein Auswärts von 180° hast. Das kann man – wenn man will – alles über die Jahre lernen.

Um Ballett zu tanzen, muss man nicht extrem gelenkig sein – es hilft natürlich. In meinem Kurs zum Beispiel können nur zwei Teilnehmerinnen einen Spagat. Seitspagat bzw. Männerspagat sogar nur eine.

Du bist also in den meisten Kursen für Erwachsene nicht alleine, wenn du nicht ganz so gelenkig bist.

Du hast es dir nochmal überlegt?
Hier findest du Ballettstudios in deiner Stadt, die Ballett für Erwachsene anbieten.