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Meine 1. Stunde im Erwachsenenballett

Hallihallo und willkommen auf der Seite, die dir hoffentlich einen Eindruck davon vermittelt, was in deiner ersten Stunde im Erwachsenenballett auf dich zukommt.

Meine erste Stunde im Anfängerballett war im Oktober 2015 im Allgemeinen Hochschulsport meiner Universität.
Das erste, das mir auffiel, war, dass der Kurs vollgestopft war mit Menschen, vor allen Dingen weiblichen. Zuvor hatte ich gedacht, dass es ganz entspannt werden würde, weil sich in meinem Kopf nur ganz wenige für diese alte Kunst/ diesen alten Sport interessieren. Ich lag falsch.
Es waren so viele, dass wir in den folgenden Semestern zum Teil die Stangenübungen in der Mitte gemacht haben, weil an den Stangen nicht genug Platz für alle war.
Außerdem hatte ich die Befürchtung, dass alle schon Ballett können und nur wieder neu anfangen und ich mich als absoluter Newbie einfach nur blamiere. Ebenfalls falsch.

Vorort gab es eine Umkleide sowie Toiletten, der Saal war rechteckig und dabei deutlich länger als breit. Links war eine lange Metallstange angebracht, auf der rechten Seite eine Holzstange. Ganz vorne links gab es eine Stereoanlage, die in jeder Ecke des Raumes einen entsprechenden Lautsprecher hatte. Links und rechts von der Tür durften wir unsere Sachen abstellen.

Wie in den meisten Studios startete auch hier der Unterricht an der Stange. Und wider Erwarten wurde alles von klein auf erklärt: Was ist ein Plié? Wie mache ich es richtig? Was ist ein Tendu? usw. Das heißt, ich konnte mich sehr schnell an den Klang der Begriffe gewöhnen und dann an der Stange auch mehrere der Schritte zusammenfügen. Zum Beispiel macht man oft Kombinationen aus Tendus in verschiedene Richtungen und dazwischen Pliés.
Dieser Teil hat ca. 45 der 90 Minuten Unterricht eingenommen.

Zwischen den Übungen an der Stange und denen in der Mitte ließ die Ballettlehrerin ca. 5 Minuten lang Musik laufen und wir durften Arme, Beine, Rücken usw. selbstständig dehnen.

Danach ging es in die Mitte, wo wir erst mal Kombinationen, die denen an der Stange ähnlich waren, ohne Hilfe gemacht haben. Die Lehrerin stand (und steht im Fortgeschrittenenkurs immernoch) ganz vorne und tanzte die Schritte mit. Wenn man also etwas nicht ganz verstanden oder vergessen hatte, musste man nicht wild mit den Armen und Beinen herumfuchteln. Am Anfang haben wir die Grundlagen von Posé-Drehungen, Grand Jetés und Tombé-Pas de bourée-Kombinationen gelernt. Alles wurde langsam erklärt und sehr oft wiederholt.
Am Ende folgte noch eine Entspannungsübung, die vornehmlich aus Port de bras bestand.

Was die Kleidung betrifft, habe ich mir die ersten zwei Monate mit Sport-BH, Sportshirt und Sporthose beholfen. Als Schuhwerk hatte ich meine Turnschläppchen dabei, was nicht so gut funktioniert hat, weil die Sohle zu viel Halt gibt, um den Fuß richtig zu schleifen, wie es im Ballett üblich ist.
Ich habe mir dann, weil es für mich ein Stück weit dazugehört, ein Trikot, Strumpfhosen und einen Rock aus dünnem Stoff besorgt, dazu Ballettschläppchen aus Leder mit einer geteilten Sohle. Damit ließen sich die Füße auch besser schleifen.
Wer sich im Trikot nicht wohlfühlt, der muss es nicht tragen. Kein Studio verlangt das bei erwachsenen Tänzern. Außerdem sollst du dich beim Tanzen wohlfühlen – und das geht nur, wenn du für dich angenehme Kleidung trägst. Bedenke auch, dass du die meiste Zeit in einen Spiegel schaust, d.h. wenn dir dein Bild im Spiegel nicht gefällt, wirst du sehr schnell keinen Spaß mehr am Ballettunterricht haben.

Im März 2019 habe ich mich dazu entschieden, eine zweite Stunde die Woche zu machen. Diese mache ich in einem privaten Studio außerhalb der Universität. Dort habe ich gleich eine Probestunde im Fortgeschrittenenkurs gemacht. Dafür gilt jedoch das gleiche: Trikots sind kein Muss, man verbringt die meiste Zeit vor einem Spiegel, alles wird erklärt und korrigiert. In diesem Studio werden die Aufwärmübungen nicht an der Stange gemacht sondern im Raum, was sehr schnellen Muskelaufbau befördert, aber entsprechend auch die ersten paar Male einen Muskelkater des Todes heraufbeschwört.
Dort war die älteste Teilnehmerin 60 Jahre alt und einige tanzen bis heute in langen Sporthosen und Shirt. So lange es eng genug anliegt, um die Körperhaltung korrigieren zu können, hat auch diese Ballettlehrerin nichts dagegen. In diesem Studio kann man auch als Erwachsener auf Spitze gehen und das nahm meist die letzten 15 – 20 der 60 Minuten Unterricht ein. Hier findet normalerweise kein Cooldown statt, sondern es bleibt nur noch einmal Zeit zum freien Dehnen.

Das sind zwei sehr typische Abläufe von Ballettunterricht für Erwachsene. Die Herangehensweise ist etwas ernster und weniger spielerisch als bei den Kursen für Kinder, aber das finde ich persönlich auch angemessen.
Spaß hat es mir trotzdem von Anfang an gemacht und heute ist das Ballett mein Moodbooster am Ende eines anstrengenden Tages.

Wenn du wissen willst, warum es sich lohnt, Ballett anzufangen, dann lies dir doch meinen Beitrag: „5 Gründe, warum du als Erwachsene*r Ballett anfangen solltest“ durch.

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